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Themenläufe, Natureman

Themenläufe 2016/2017

Wir sich über die Wintersaison ohne Wettkampfgedanken und Zeitmessung neue Laufgebiete erarbeiten will, für den bieten sich diese Themenläufe an. Erfahrene Guides führen in verschiedenen Geschwindigkeitsgruppen durch „ihre“ Laufreviere. Ohne Anmeldung, einfach mitlaufen . . . Kaffee/Tee und Kuchen stehen nach der Veranstaltung kostenlos zur Verfügung.

Hier die Termine:

06.11. 2016 – LSF Oldenburg

27.11.2016 – Rastede

24.12.2016 – Team Laufrausch

15.01.2017 – LT Oldenburg Süd

29.01.2017 – Eversten

12.02.2017 – Hundsmühlen

26.02.2017 – Die Bären

26.03.2017 – Ofenerdiek

 

 

 

 

Natureman - Verdon 2016

Ein Bericht von Claus-Dieter Behrens

Natureman? Ja, Natureman. Die erste Hürde ist schon einmal die mehr oder weniger korrekte Aussprache, der erste Teil wird wohl Englisch, der zweite Teil französisch ausgesprochen. Denn der Natureman ist eine erst 2011 ins Leben gerufene Triathlon-Veranstaltung im Süden Frankreichs (jeweils 140km nördlich von Nizza und / oder Marseille). Der Name rührt von dem regionalen Naturpark Verdon her, in dessen Mitte die Wettkampfstädte liegt. Am 2. Oktober 2016 fand die 5. Auflage statt, nach meiner letztjährigen Premiere dieses Jahr also ein Déjà-Vu.  Am Samstag wird eine Sprint-Distanz angeboten, daneben einige Swim- & Run - Distanzen für den interessierten Nachwuchs. Hauptveranstaltung ist allerdings die Mitteldistanz am Sonntag.

Ein Triathlon im Oktober? Genau das war eigentlich meine Idee. Denn die deutsche Triathlon-Saison ist wetterbedingt auf etwa 4 Monate beschränkt, wenn man nicht ins Schwimmbad ausweichen kann oder will. Deshalb richtete ich meinen Blick nach Frankreich, wo schon im April erste reine Freiluftveranstaltungen angeboten werden. Und der Natureman ist Anfang Oktober noch nicht die letzte Veranstaltung seiner Art.

Der Natureman wurde von einem ambitionierten, aber auch erfahrenen Team ins Leben gerufen und (nahezu) perfekt auf die Beine gestellt. Geschwommen wird im Lac de St. Croix, am Fuße der Ausläufer der Alpen gelegen. In Richtung Alpen schließen sich die Gorges Du Verdon, der europäische Grand Canyon an. Es mag ein wenig überraschen, aber es bestätigt sich jedes Jahr wieder auf's Neue, die Wassertemperatur hält sich bei über 20°C. Im Neo wird einem auf den 2km auf jeden Fall nicht kalt.

In der Wechselzone ist auf der Fläche von etwa 2 Fußballfeldern Platz für knapp 1.200 Starter. Da es aber für viele der Saisonabschluß ist, herrscht insgesamt eher eine "laissez-faire" Stimmung. Schon beim Eintritt in die Wechselzone macht sich eine gewisse Entspannung breit. Trotzdem wurde ich beim Einchecken von einer Schiedsrichterin erst einmal herausgewunken. Sie drückte mir gleich eine Sicherheitsnadel in die Hand. Mein Startnummernband hielt die Startnummer nur an zwei Stellen fest, der Franzose möchte lieber drei Fixierstellen. Dafür darf man bei ihm die Startnummer aber auch unter dem Neo tragen ... wie dem auch sei.

Also den Wechselplatz eingerichtet, rein in den Neo, runter an den See. Hier schwebte schon der Heißluftballon eines Sponsors, zugleich Markenzeichen des Natureman über der Szenerie, aus den Boxen wummerten die Bässe den Athleten die letzte Müdigkeit aus den Knochen und schoben die sich ankündigende Wintersaison noch einmal ganz weit weg.
Eine freudige Spannung auf die nächsten Stunden kam beim Blick auf den See auf, als die im Rücken aufgehende Sonne so langsam die gegenüberliegende Steilküste hinab kroch. Letzte Ansagen in fünf Sprachen, Startfreigabe für die etwa 150 Damen, danach ca. 20min Wartezeit für die wohl 1.000 startenden Männer. Damit keine Langeweile aufkam, hatte man sich dieses Jahr eine Schwimmstrecke mit kurzem Landgang einfallen lassen. Als mäßiger Schwimmer war ich nach 39'22" als 530. wieder aus dem Wasser zurück in der Wechselzone.

Und das ist, vielfach kritisiert, das einzige Problem. Beim ersten Wechsel sind die schnellsten Männer auf die letzten Frauen aufgeschwommen ... Damit gehen innerhalb von etwa 30min etwa 750 Teilnehmer auf die Radstrecke. Wie bei einer Ziehharmonika wird dann das Feld in der ersten Steigung nach knapp 10 km zusätzlich noch zusammen gestaucht. Immer wieder liest man von Kritikern des Windschattenfahrens. Wer damit ein Problem hat, ist hier leider fehl am Platze. Aber selbst die zahlreichen Schiedsrichter haben kaum eine realitische Chance, sportlich fair aktiv zu werden. Außer, sie beenden für das Gros des Feldes das Rennen durch Disqualifikation in dieser Steigung. Dass ich davon sprechen konnte, in größerer Distanz keinen Radfahrer vor mir zu haben, habe ich dieses Jahr erst bei km 75 gemerkt. Aber hier wird auf wirklich hohem Niveau Kritik geäußert. Außerdem hier die allgemeine Entspannung des Saisonendes mit ins Spiel. Dennoch, bei noch keiner Veranstaltung habe ich immer wieder größere oder kleinere Grüppchen von Radfahrern gesehen, die die Gipfel plaudernd erklommen.

Die erste Steigung schlängelt sich noch mit einigermaßen dankbaren Steigungsraten das südliche Seeufer hinauf. Daran schließen sich eine längere Abfahrt und eine zweite, wesentlich kürzere Steigung an. Wer den km 35 passiert hat, stellt sich dann aber auf DIE Schlüsselstelle der Radstrecke ein: eine knapp 2 km kurze Steigung, mit dem poetisch-pathischen Namen "L'enfer du Sud". Es scheint das Organisationsteam mit gewissem Stolz zu erfüllen, den Athleten Steigungsraten von bis 16% anbieten zu können. Irgendwann gibt man die Hoffnung auf, dass die gerade durchfahrene Serpentine die letzte gewesen sein mag. Erst, wenn ganz oben die Kiefern wieder den ungehinderten Blick auf den Himmel freigeben, weiß man, dass man es geschafft hat. Kurze 2km können manchmal schrecklich lang sein.

Aber wer sich hier hinauf gearbeitet hat, auf die dem Start gegenüberliegenden Seite des Sees auf das Hochplateau, kommt in den Genuß, es auf den kommenden 20km richtig krachen zu lassen. Wenn der Straßenbelag auch oft typisch franzöisch eher rauh ist, auf dem die Rolleigenschaften nicht wirklich ihren Namen verdienen, entschädigt hier die Strecke mit Hochgefühlen des Geschwindigkeitsrausches. An anderen Stellen bietet dafür die Umgebung auf dem Rest der Strecke immer wieder spektakuläre Ausblicke auf den türkisfabenen Lac de St. Croix, auf idyllische Dörfer und - jahreszeitbedingt abgeblühte -Lavendelfelder. Aber insgesamt ist der Natureman trotzdem Urlaub für Seele und die Augen, auch wenn der Körper auf einer Mitteldistanz eher leidet.

Irgendwann hat man dann den letzten Gipfel doch hinter sich gebracht. Hieran schließt sich eine längere Abfahrt zurück nach Les-Salles-sur-Verdon an. Hier kann man sich also noch einmal verpflegen, die Oberschenkel lockern (ausgelobt sind etwa 1.400 positive HM) und sich mental auf den letzten Wechsel (nach 3h12' / als 401. Radzeit) und die Laufstrecke einstellen. Allerdings sollte man auch schnell seinen Rhythmus gefunden haben, denn nach dem ersten Laufkilometer wechselt der Untergrund von Teer zu Trail - die Natur läßt mal wieder grüßen - und bleibt bis kurz vor dem Ziel auch so. Ist das Profil auch insgesamt eher flach, verläuft die Strecke doch immer in Ufernähe zum See, so wartet relativ früh eine kapitale Steigung, die selbst die Profis ans Limit bringt. Gegen Ende der Runde gilt es dann noch eine zweite "Wand" zu bezwingen. Hier haben sich aber schon so viele Zuschauer eingefunden, dass deren Anfeuerungen einen die letzten, noch verbleibenden Schmerzen, die man in dem Bewußtsein hat, dass es sowieso gleich vorbei ist, vergessen lassen.

Eine Diskrepanz zwischen der ausgewiesenen und der tatsächlichen Länge der Laufstrecke von gut 2km interessiert zu diesem Zeitpunkt kaum jemanden wirklich. Auf jeden Fall war ich mit der Zeit von 1h32'23" (205. Laufzeit) zufrieden, denn das bedeutete nach 5h24' als 297. von 1.063 Startern das Ziel erreicht hatte.

Wer in den Zielkanal eintaucht, wird vom französischen Bruder von Andreas Schnur lautstark empfangen. Hier läßt sich der Franzose nicht lumpen und frönt ausgiebig dem "Savoir Vivre". In einem riesigen Zelt wird ein Finisher-Buffet immer wieder aufgefüllt, dass man schnell noch einmal auf die Strecke zurückkehren müßte, um die Extra-Kalorien wieder zu verbrennen. Auf dem freien Platz vor dem Zelt kümmert sich die warme Herbstsonne des aufziehenden Nachmittags um die geschundenen Glieder.

Wer jetzt schwankt, ob der Natureman etwas für ihn sein könnte, sollte dringend die Finger von einem der vornehmlich auf vimeo eingestellten Videos lassen. Denn danach dürfte die Entscheidung endgültig gefallen sein.

Der wichtigste Unterschied bei einer Meldung in Frankreich ist das ZWINGEND vorgeschrieben sog. "Certificat médial" (d'attestation de non-contre-indication), ohne das nicht gestartet werden kann! Damit sollen die (ausländischen) Triathleten ihre allgemeine Sporttauglichkeit ärztlich nachweisen. Allerdings wird hier keine sportärztliche Leistungsdiagnostik erwartet. Auf Nachfrage wurde mir erklärt, dass einen der Haus-/Sportarzt ja kenne. Pulsfühlen und Blutdruck messen reichen da wohl meist schon aus. Grundsätzlich aber meiner Meinung nach eine gute Sache.

In den letzten Jahren ist die Veranstaltung immer kurz vorher ausverkauft gewesen. Da der Natureman aber frei von Kinderkrankheiten ist und letztes Jahr von der Monatszeitschrift "Triathlète" zu einer der fünf besten Veranstaltungen gewählt worden ist, könnte sich das in Zukunft ändern. Befremdlich für mich dabei ist, dass die Zeitschrift das Wetter am Vortag als Argument einer Abwertung genommen hat. Aber ähnlich wie beim Bärentriathlon scheint beim Natureman am Sonntag Schönwetter-Garantie zu herrschen.

Ich habe mir das Wochenende 30. September / 01. Oktober 2017 auf jeden Fall schon mal geblockt.

https://natureman-verdon.fr/en/

Der 27. Bärentriathlon findet
am 26./27. August 2017 in
Bad Zwischenahn
statt

 
 

 

 

 



Trainingswetter